Ein frühes Konzept für eine internetbasierte Kommunikationsplattform, entwickelt bevor soziale Netzwerke zu einer kulturellen Infrastruktur wurden.
Iceland Project, excerpt of Videoinstallation, Super 8
1999 entwickelte Florian Mehnert mit dem Iceland Project ein Konzept für den Aufbau einer Kommunikationsplattform im Internet. Im Zentrum stand das menschliche Grundbedürfnis nach Kommunikation und Selbstdarstellung in einem Moment, in dem das Internet plötzlich weltweiten Austausch in Echtzeit ermöglichte.
Das Projekt sah Chaträume, das Hochladen und Kommentieren von Bildern, Livestream-Webcams und ein physisches Projektgebäude in Island vor. Es antizipierte Fragen, die später für soziale Medien zentral wurden: permanente Sichtbarkeit, öffentliche Selbstdarstellung, gespeicherte Spuren und das Verhältnis von Live-Erfahrung und aufgezeichneter Erinnerung.
Mehnert begann 1999 mit der Realisierung des aufwändigen Projekts. Es blieb unvollendet, formulierte aber bereits ein künstlerisches Modell von Partizipation, globaler Kommunikation und Selbstbeobachtung.
Das Gebäude
In den Lavafeldern Islands, zwischen Keflavik und Reykjavik, war ein Projektgebäude als analoger Treffpunkt geplant, verbunden mit einer globalen Online-Öffentlichkeit. Eine Glaskuppel sollte den Blick in die Lavafelder öffnen, während seitliche Räume für die konzentrierte Teilnahme am Chatsystem vorgesehen waren.
Das Gebäude sollte über Livestream-Webcams audiovisuell im Internet abgebildet werden. Besucherinnen und Besucher vor Ort wären online sichtbar und hörbar geworden, während entfernte Teilnehmer über die Plattform kommunizieren konnten.

Selbstdarstellung
Der erste Kontakt mit dem Iceland Project sollte über das Internet erfolgen. Über eine Chatplattform kommunizierten Besucher mit anderen online teilnehmenden Menschen und mit Personen, die physisch im Gebäude anwesend waren.
Nach der Rückkehr sollten Teilnehmer ihre eigenen Aufzeichnungen abrufen können. Das Projekt verband damit Anwesenheit, Dokumentation und Erinnerung: Die Teilnehmenden konnten sich selbst in der Vergangenheit beobachten und das aufgezeichnete Bild zur erlebten Erinnerung in Beziehung setzen.
Als Insel symbolisierte Island eine Form räumlicher Isolation. Das Projektgebäude bildete das Gegenmodell: einen Ort globaler audiovisueller Kommunikation, an dem Isolation und weltweite Sichtbarkeit direkt aufeinander bezogen wurden.

